Kostenfreie Menstruationsartikel
Periode ohne Preis: Aus einer Kampagne wird Infrastruktur
Kostenfreie Menstruationsartikel auf dem Campus sind eine Frage von Teilhabe und Gleichstellung. Trotzdem bleibt ihre Einführung an der Universität ein langwieriger Prozess. Wir dokumentieren hier, wie die studentische Kampagne Periode ohne Preis seit 2023 für eine bessere Versorgung kämpft, warum ein Förderantrag größtenteils abgelehnt wurde und weshalb es trotz Rückschlägen nun konkrete Zusagen für neue Spender gibt.
Seit mehreren Jahren setzt sich der AStA der Goethe-Universität gemeinsam mit Fachschaften und Unterstützer*innen aus Wissenschaft und Verwaltung dafür ein, dass Periodenprodukte auf dem Campus selbstverständlich verfügbar werden – genauso selbstverständlich wie Seife, Toilettenpapier oder Papierhandtücher.
Die studentische Kampagne Periode ohne Preis begann 2023 mit einer Petition und einer breiten öffentlichen Forderung: Kostenfreie Menstruationsartikel sollten perspektivisch in allen Gebäuden der Universität bereitgestellt werden. Ein erster Erfolg konnte aber kaum als Pilotprojekt bezeichnet werden: Ein einzelner Menstruationsartikelspender im Hörsaalzentrum sollte für eine Universität mit über 50.000 Studierenden und Beschäftigten ausreichen. Schon damals war klar, dass dies weder der Größe der Universität noch dem tatsächlichen Bedarf gerecht werden konnte. Zwar wurden in den vergangenen Jahren einzelne weitere Spender installiert, doch blieb die Versorgung insgesamt begrenzt: Aktuell sind lediglich elf Spender auf vier Campi vorhanden.
Warum sich Fortschritte in die Länge ziehen
Menstruierende Personen sind während ihrer Periode auf entsprechende Produkte angewiesen. Fehlen sie im Alltag, kann dies unmittelbar zur Einschränkung der Teilnahme am universitären Leben führen. Gleichzeitig stellen Periodenprodukte eine finanzielle Dauerbelastung dar. Kostenfreie Menstruationsartikel sind daher nicht nur ein Beitrag zur Enttabuisierung der Periode, sondern auch eine konkrete Maßnahme gegen Periodenarmut. Trotz dieser offensichtlichen Argumente hat sich der Weg zu einer besseren Versorgung an der Universität als langwierig erwiesen.
Um hier endlich Fortschritte zu erzielen, hat das Referat für Feminismus des AStA gemeinsam mit Partner*innen aus der Universität ein Projekt zur Ausweitung der Infrastruktur entwickelt und dafür Mittel aus der zentralen QSL-Förderlinie beantragt. Ziel war es, zusätzliche Menstruationsartikelspender zu finanzieren und die Initiative durch eine weitere begleitende Ringvorlesung zu begleiten. Eine ähnliche Veranstaltungsreihe hat es bereits 2023 gegeben.
Die Entscheidung fiel jedoch ernüchternd aus: Statt der beantragten rund 21.600 Euro wurden lediglich 1.578 Euro bewilligt – ausschließlich für Vorträge und Druckkosten. Die Finanzierung zusätzlicher Spender wurde abgelehnt. Die Begründung der QSL-Kommission: Menstruationsartikelspender gehörten zur Grundausstattung und seien deshalb Aufgabe der Universität selbst. Diese Einschätzung wirft eine grundlegende Frage auf: Wenn es sich tatsächlich um Grundbedarf handelt – warum wird seine Finanzierung dann nicht langfristig institutionell übernommen?
Studentisches Engagement bringt Bewegung
Trotz dieser Rückschläge bleibt die Kampagne nicht stehen. Das Referat für Feminismus arbeitet kontinuierlich daran, das Thema in universitäre Entscheidungsprozesse einzubringen, Gespräche mit Verwaltung und Gleichstellungsstrukturen zu führen und konkrete Verbesserungen zu erreichen.
Mit Erfolg: Im März 2026 hat der Kanzler der Goethe-Universität zugesagt, zusätzliche Menstruationsartikelspender einzurichten. Für das IG-Farben-Haus wurden vier neue Standorte vereinbart und perspektivisch sollen weitere Installationen auch auf anderen Campi folgen.
Diese Zusage ist ein wichtiger Schritt nach vorne. Sie zeigt, dass beharrliche studentische Initiativen Wirkung entfalten können – selbst in institutionellen Strukturen, in denen Veränderungen oft nur langsam erfolgen.
Warum wir weiter für bessere Versorgung kämpfen
Die aktuellen Zusagen lösen das Problem noch nicht vollständig. Eine flächendeckende Versorgung, wie sie die Kampagne seit Beginn fordert, ist damit noch nicht erreicht. Doch sie markieren einen Fortschritt, der ohne das kontinuierliche Engagement studentischer Initiativen kaum denkbar gewesen wäre.
Für den AStA bleibt daher klar: Gleichstellung darf nicht von Projektanträgen oder Haushaltslagen abhängig sein. Menstruationsartikel gehören zur hygienischen Grundversorgung auf dem Campus.
Bis dieses Ziel erreicht ist, wird die Kampagne weiter daran arbeiten, aus einzelnen Spendern eine selbstverständliche Infrastruktur zu machen – Schritt für Schritt, Gebäude für Gebäude.
Hier die Übersicht über die aktuellen Standorte der Spender:
Campus Westend - 5 Stück:
- RuW: 140J
- Seminarhaus: -1.042
- SKW: 00.B043
- PEG: G40I
- HSZ: 40c
Campus Riedberg - 3 Stück:
- Biologicum / N540 / 1. UG / _1.441 (Damen/All-Gender-WC)
- Biozentrum / N100 / EG / 0.41 (Damen-WC)
- Otto-Stern-Zentrum / N700 / EG / 44 (Damen-WC)
Campus Bockenheim - 2 Stück:
- Neue Mensa, Raum 140 e (Damen-WC)
- Hörsaalgebäude, BT E, Damen-WC im EG (Raum-Nr. 2/3)
Campus Ginnheim - 1 Stück:
- Hörsaalgebäude Neu, Damen-WC (Raum-Nr. 7/8)