Pressemitteilung: AStA kommentiert Anhörung zum Präsidentenamt
Die Anhörung der Kandidaten für das Präsidentenamt am 11.02.2026 an der Goethe-Universität Frankfurt hat aus Sicht des AStA vor allem eines offengelegt: Das Präsidium steht vor einer Vertrauenskrise, die nicht mit wohlklingenden Formeln zu „Partizipation“ und „Transparenz“ zu beheben ist. Wenn die Universität in den kommenden Jahren handlungsfähig bleiben soll, braucht es einen klaren Bruch mit der bisherigen Praxis und eine Hochschulleitung, die Studienbedingungen schützt, statt Kürzung nach Kürzung politisch abzunicken.
In ihren Eingangsstatements präsentierten sich Prof. Dr. Roger Erb und Prof. Dr. Enrico Schleiff als Garanten von Kontinuität und Stabilität. Doch die Fragerunde machte deutlich, dass diese Selbstdarstellung in einem auffälligen Spannungsverhältnis zur Wahrnehmung in der Hochschule steht. Insbesondere bei Prof. Schleiff, der die Goethe-Universität in den vergangenen Jahren geführt hat, wurde Kritik an Führungsstil, Kommunikation und Transparenz erneut deutlich: Entscheidungen seien wiederholt top-down getroffen und Gremien erst im Nachhinein informiert worden.
Persephone, die die Anhörung für den AStA begleitet hat, bringt diese Wahrnehmung auf den Punkt: „Vor allem an seinem Führungsstil wurde dann doch viel Kritik geübt.“ Für den AStA ist klar: Wer Verantwortung im Präsidium übernimmt, muss sich an messbaren Veränderungen messen lassen nicht an Imagepflege in Anhörungen.
Zentraler Konfliktpunkt war der Hochschulpakt und der Umgang mit den damit verbundenen Kürzungslogiken. Beide Kandidaten argumentierten, der Pakt sei faktisch „alternativlos“ gewesen und müsse vor allem im Austausch mit dem Wissenschaftsministerium begleitet werden, während zugleich Unterfinanzierung betont werde. Genau diese Haltung ist aus studentischer Sicht unzureichend: Wer die strukturelle Unterfinanzierung anerkennt, darf nicht zugleich Kürzungsmechanismen als unvermeidlich behandeln – ohne sie politisch und institutionell offensiv zu bekämpfen.
Der AStA fordert daher eine Präsidentschaft, die nicht länger Kürzung nach Kürzung durchwinkt, sondern sich aktiv für Studienbedingungen einsetzt – in Haushaltsentscheidungen ebenso wie in der Prioritätensetzung in Lehre, Betreuung, Infrastruktur und sozialer Absicherung. Persephone benennt den Kern der Debatte: „Interessant finde ich persönlich war vor allem, dass nach dem Hochschulpakt gefragt wurde und wie man jetzt damit umgeht und ob man den nicht nachverhandeln möchte.“
Das ist kein Randthema, sondern die zentrale Zukunftsfrage: Wird die Leitung die Interessen der Universität – und insbesondere der Studierenden – gegenüber der Landespolitik wirksam vertreten, oder wird sie Kürzungsdruck lediglich verwalten?
Auch die Debatte um Leistungsparameter und die Verteilung knapper Mittel zeigt die Dringlichkeit eines Kurswechsels: Wenn Verteilungsentscheidungen stärker an quantitativen Kennziffern ausgerichtet werden, drohen Fachbereiche und besonders kleinere Fächer gegeneinander ausgespielt zu werden. Ankündigungen von „Austausch“ reichen hier nicht. Notwendig sind transparente Kriterien, echte Mitsprache und eine Strategie, die die Breite der Universität schützt – statt inneruniversitäre Konkurrenz zu verschärfen.
Der AStA hält fest: Die Anhörung darf nicht als PR-Termin missverstanden werden. Die kommende Präsidentschaft muss die demokratische Kultur der Universität wiederherstellen, Beteiligung verbindlich machen und die Studierendenperspektive konsequent ins Zentrum rücken. Das bedeutet: Mehr Transparenz, weniger Durchregieren und ein Präsidium, das Kürzungslogiken nicht verwaltet, sondern zurückweist.
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